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Wichtige Mantrailing GTZ-News
15.02.14

Wie unter Mantrailern  bekannt, verliert der Mensch 40.000 Zellen/min. Abgestoßen werden dabei beispielsweise Haut- und Haarzellen. Auf diesem Abstossungsprozess beruht die Arbeit mit unseren Hunden.Detaillierte Angaben dazu werden unter anderem von Dr. Marcello Rendine geliefert. Auch die übrige Fachliteratur beschäftigt sich intensiv mit diesen Vorgängen.

 

Jede Zelle ist aus verschiedenen Elementen zusammengesetzt. Bislang gingen wir davon aus, dass alle in der Zelle enthaltenen Elemente den individuellen Geruch ergeben -  das Parfüm, das uns umgebende, ganz eigene Potpourri, d. h. unseren Individualgeruch, den unser Hund identifiziert. Doch nach einer gewissen Zeit verfliegen diese Stoffe. Was also riechen unsere Hunde noch, wenn sie an der Spur arbeiten und wie lange können sie einen individuellen Geruch verfolgen?

Jeder Stoff unterliegt ab dem Moment der Ausscheidung seinem natürlichen Verfallsprozess – wenn auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit, je nachdem ob es sich um Haut, Haare, Blut, Urin, Mukosen handelt. Auch Gase verfliegen mit der Zeit. Wie lange dies im Einzelnen dauert hängt natürlich auch von der Außentemperatur, der Thermik und anderen Witterungsbedingungen ab. 

Wie nun im Fachbereich Forensik der Universität Foggia erforscht wurde, bleibt nach dem Prozess der Auflösung keine einzige Zelle übrig, die unsere Fellnasen besonders Interessieren würde. Jeder Mensch verliert jedoch auch sogenannte VOCs - Flüchtige Organische Verbindungen. Anders als bisher gedacht, sind es lediglich diese Flüchtigen Organische Verbindungen, auf die die Hunde reagieren – und dabei speziell auf einen spezifischen Stoff aus den sogenannten Sauren Flüchtigen Organischen Verbindungen. Er entsteht im Lauf des Verfallsprozesses der Zelle und ermöglicht dem Hund auch noch nach langer Zeit menschliche Gerüche zu unterscheiden.  Die Hunde reagieren sehr stark darauf – oft läuft ihnen dabei buchstäblich das Wasser im Maul zusammen.

Es sind also nicht die absterbenden Zellen, sondern die Mikroorganismen der Flüchtigen Organischen Verbindung, auf die die Hundenase reagiert. Das heißt jedoch, dass unsere bisherige Definition von Frisch- und Altspur  umgedeutet werden muss. 

Aus Hundesicht scheint es gemäß dieser neuen Erkenntnisse keine „Frisch-„ oder „Alt“- Spur zu geben. Unsere Fellnasen haben kein Problem auf Alt- Spuren einer Fährte zu laufen. Sie orientieren sich lediglich an qualitativ anderen Elementen und können ohne weiteres die Alt-Spur gegen die Frischspur austauschen. Wir üben zwar mit Ihnen die frischeste Spur zu nehmen – was beim Training ja  legitim ist. Sie werden sich auch immer  bemühen, unsere Ansprüche zu erfüllen.  Nur sollten wir uns mal die Frage stellen: Wie lange bleibt aus Hundesicht eigentlich eine Frischspur frisch? 

Ich selber habe früher immer Altspuren mit Frischspuren überkreuzt, um der Fellnase die Fährtensuche richtig beizubringen. Was mir auch beim Training gelang. Doch in der Realität des Hundes ist das ganz anders. Denn in dieser existiert weder eine Frischspur noch eine Altspur, da der natürliche Abbauprozess der schon abgestorbenen Hautzelle bereits begonnen hat. Die Duftmarken ändern sich mit jeder Sekunde. Wie kann man also unter dieser Bedingung von Frischspur und Altspur sprechen ? 

Natürlich werden unsere Hunde brav die Fährte absuchen,  die wir Ihnen gelegt haben. Doch sollten wir vermehrt darauf achten, dass wir den Hund nicht unbewusst oder bewusst manuipulieren. So kann uns beispielsweise der Mitläufer mit seinen Kommentaren zur Fährte verunsichern – und wir übertragen die Unsicherheit dann auf den Hund. Das kann geschehen, wenn der Hund auf einer alten Fährte des Mitläufers arbeitet anstatt auf einer frischen – und der Mitläufer uns mitteilt, dass seine soeben gelegte Fährte dort nicht hindurchführt.  

Ich plädiere dafür, dass wir erst unseren Hunde exakt beibringen müssen, was wir von Ihnen wollen: Nämlich für uns einen bestimmten Menschen zu suchen. Hat er dies verstanden, sollten wir ihn bei der Arbeit möglichst frei lassen und ihm vertrauen – das kann durchaus auch an einer Kurz- oder Langleine geschehen, doch sollten wir möglichst jede Einwirkung auf den Hund vermeiden.  Anfängerhunde sollten im Training zudem lernen, möglichst viele Gerüche zu unterscheiden. 

Informationen zu diesen neuen Forschungsergebnissen können bei der  Universität Foggia eingeholt werden. Ansprechpartner ist Dr. Marcello Rendine, der hier nach seiner Rückkehr aus den USA noch intensiver auf diese neuen, für das Trailing wichtigen Erkenntnisse eingehen wird. Das Training wird sich aufgrund dieser neuen Deutung von Frisch- und Altspur verändern. Wir sind dabei an der praktischen Umsetzung zu arbeiten. Doch eines ist jetzt schon sicher: Es wird für uns in Zukunft weniger bedeutsam sein, wenn wir erst nach vielen Stunden oder mehreren Tagen zum Einsatz kommen. Denn unser Hund orientiert sich nicht an den vielleicht noch existierenden Zellen, sondern an den Flüchtigen Organischen Verbindungen. Und diese weisen ihm auch noch längere Zeit die richtige Spur.